Die wichtigsten Punkte zum Fusion-Programm auf einen Blick
- Auf der offiziellen Programmseite stehen über 1.000 Programmpunkte und mehr als 3.000 Beteiligte.
- Fusion funktioniert nicht wie ein klassisches Headliner-Festival, sondern wie eine vielschichtige Kulturfläche.
- Musik, Performance, Gesprächsformate und Workshops stehen gleichberechtigt nebeneinander.
- Das Programm lässt sich nach Genres filtern und zusätzlich über den Timetable planen.
- Wer nur auf bekannte Namen achtet, übersieht oft die stärksten Slots im Randbereich des Programms.
Warum das Line-up des Fusion Festivals anders funktioniert als eine klassische Headliner-Liste
Auf der offiziellen Programmseite wird schnell klar, dass Fusion 2026 nicht über ein paar große Zugpferde definiert wird. Die Veranstaltung lebt von Masse, Mischung und bewusster Reibung: Bands, DJs, Comedy, Film, Installation, Lesung, Walk Acts, Theater, Tanz, Talk, Workshop und zeitgenössischer Zirkus stehen nebeneinander. Ich lese das als kuratierte Festivalwelt, nicht als simple Künstlerliste.
Für Besucher ist das wichtig, weil sich daraus eine andere Erwartung ableitet. Wer ein klassisches Festival sucht, plant rund um zwei oder drei Mega-Acts. Wer Fusion plant, muss eher in Stimmungen, Zeitslots und Formate denken. Das ist anfangs ungewohnt, aber genau daraus entsteht die Stärke des Programms: Es zwingt niemanden in ein starres Musikschema.
| Programmbereich | Was du dort findest | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|---|
| Live Acts und Bands | Punk, Rap, Dub, Indie, Jazz, Elektro, Experimentelles | Der musikalische Kern ist breit, aber selten beliebig. |
| DJs | Clubnächte, genreübergreifende Sets, lange Spannungsbögen | Hier zählt weniger der Name als der richtige Slot und die passende Energie. |
| Talks und Workshops | Politische Bildung, Geschichte, Awareness, Praxiswissen | Das Festival liefert nicht nur Unterhaltung, sondern Einordnung. |
| Performance und Theater | Walk Acts, visuelle Formate, Zirkus, Bühnenkunst | Diese Elemente wirken oft als Überraschungsmomente im Gelände. |

Welche Namen und Stile 2026 besonders auffallen
Schon ein kurzer Blick auf die aktuelle Programmliste zeigt, wie weit das Spektrum reicht. Ho99o9 bringen eine rohe Mischung aus Hip-Hop und Hardcore-Punk, Gaye Su Akyol verbindet anatolischen Pop mit Psychedelic Rock, Post-Punk und Disco, und Jimi Tenor bewegt sich mühelos zwischen Electronica, Afrobeat und Spiritual Jazz. Das sind keine zufälligen Buchungen, sondern gute Beispiele für die ästhetische Logik des Festivals.
Besonders auffällig ist, dass viele Acts nicht nur musikalisch, sondern auch in ihrer Haltung eigenständig sind. Fulu Miziki arbeitet mit selbstgebauten Instrumenten aus Müll und steht damit für eine sehr konkrete Do-it-yourself-Idee. SALÒ bringt scharfe Gesellschaftskritik mit Pop-Punk und Electroclash zusammen. M¥SS KETA verbindet Rap, Pop und starke Bühnenfigur, während Lisaholic mit Rap, Beatboxing, Bassmusik und Humor eine ganz eigene Live-Dynamik schafft. Dazu kommen Namen wie Antifuchs, Die Selektion oder Isam Elias, die das Bild weiter öffnen, statt es enger zu machen.
| Act | Warum er im Programm auffällt |
|---|---|
| Ho99o9 | Extrem direkte Live-Energie zwischen Hip-Hop und Hardcore-Punk. |
| Gaye Su Akyol | Ein gutes Beispiel für genreübergreifende, visuell starke Festivalkunst. |
| Jimi Tenor | Ein Veteran für stiloffene Sets, die nicht in einer Schublade bleiben. |
| Fulu Miziki | DIY, Afrofuturismus und klangliche Wucht in einer sehr eigenständigen Form. |
| SALÒ | Punkige Zuspitzung mit klarer gesellschaftlicher Kante. |
| M¥SS KETA | Mehr als Musik: Figur, Performance und Pop-Attitüde greifen ineinander. |
| Lisaholic | Ein Live-Set, das Rap, Witz und Bassmusik bewusst zusammenführt. |
Wer diese Mischung versteht, plant das Festival automatisch anders: weniger nach Genre-Schubladen, mehr nach Energie, Überraschung und Kontrast.
So liest du das Programm ohne dich zu verzetteln
Bei einem Programm dieser Größe ist Orientierung wichtiger als Vollständigkeit. Ich würde nie versuchen, alles zu sehen. Sinnvoller ist ein Dreischritt: erst Favoriten markieren, dann Konflikte prüfen und schließlich pro Tag zwei bis drei freie Räume lassen. Gerade bei Fusion ist das kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Besuch nicht in Stress kippt.
- Suche zuerst nach den Stilen, die du wirklich magst, und nicht nach allem, was bekannt klingt.
- Prüfe die Überschneidungen zwischen Live-Acts, DJs und Gesprächsterminen.
- Plane pro Tag mindestens einen Slot ein, der nicht fest belegt ist.
- Nutze den Timetable früh, nicht erst vor Ort.
- Speichere dir eine Offline-Variante, falls du nicht ständig am Display hängen willst.
Der Timetable ist auf der Festivalseite auch offline verfügbar; die mobile Ansicht braucht JavaScript. Das klingt banal, ist aber praktisch entscheidend, wenn du auf dem Gelände nicht ständig neu laden oder in Menüs springen willst. Für mich ist das der Punkt, an dem gute Vorbereitung spürbar mehr Festivalqualität bringt. Und genau da werden die nichtmusikalischen Formate interessant.
Warum Talks, Workshops und Performances zum Kern gehören
Fusion ist kein Festival, das den Rest des Programms nur als Deko neben der Musik mitführt. Die Talks und Workshops sind inhaltlich fest eingebaut und sagen viel über die Identität des Ortes aus. Auf der offiziellen Programmseite finden sich Formate zu Erinnerungskultur, Zwangsarbeit, Antifaschismus, Lithiumabbau in Chile, Gebärdensprache oder Awareness-Vernetzung. Das ist nicht Beiwerk, sondern Teil der Kuratierung.
Gerade diese Ebene macht das Festival für viele Besucher interessant, die mehr als reine Unterhaltung suchen. Ein Workshop kann dort genauso prägend sein wie ein Konzert, weil er den Blick auf Gesellschaft, Macht, Geschichte oder Körper verschiebt. Ich halte das für eines der stärksten Merkmale des Fusion-Programms: Es trennt Erlebnis und Haltung nicht voneinander.
Auch die performativen Formate erfüllen diese Funktion. Walk Acts, Theater, neuer Zirkus oder visuelle Eingriffe in den Raum sorgen dafür, dass das Gelände nie nur Kulisse bleibt. Man bewegt sich nicht einfach von Bühne zu Bühne, sondern durch einen Ort, der ständig neue Lesarten anbietet. Wer nur Musik konsumieren will, versteht dieses Festival nur zur Hälfte.
Genau deshalb sollte die eigene Planung nicht bei Lieblingskünstlern stoppen, sondern auch nach inhaltlichen Schwerpunkten schauen.
Was ich für die Planung vor Ort in diesem Jahr wichtig finde
Bei einem so dichten Programm entscheidet die Vorbereitung fast mehr als der gute Wille vor Ort. Ich würde drei Dinge konsequent trennen: feste Muss-Termine, optionale Slots und offene Zeitfenster. So bleibt genug Raum für spontane Entdeckungen, ohne dass der Tag zerfasert.
- Feste Termine: Alles, was du wirklich nicht verpassen willst, bekommt Priorität.
- Optionale Slots: Hier lohnt sich Flexibilität, weil die Konkurrenz oft hoch ist.
- Offene Zeitfenster: Die machen Fusion erst richtig lebendig, weil Überraschungen dazugehören.
- Späte Nächte: Plane nicht zu eng, denn gerade die Übergänge zwischen Acts können stark sein.
Wenn du zum ersten Mal auf das Programm schaust, wirkt die Fülle schnell unübersichtlich. Genau deshalb ist es klug, nicht alles als Pflicht zu lesen. Die besten Festivaltage entstehen oft dort, wo man bewusst Platz lässt. Wer jede Minute verplant, verpasst leicht das, was Fusion im besten Fall ausmacht: zufällige Entdeckungen mit Charakter.
Am Ende ist das Programm 2026 vor allem ein Signal dafür, dass Fusion seine Identität über Vielfalt, Haltung und Mischung definiert. Das Festival bleibt musikalisch offen, politisch aufmerksam und performativ neugierig. Wer das Line-up so liest, versteht schnell, warum hier nicht der eine große Name zählt, sondern die Art, wie viele unterschiedliche Welten aufeinander treffen.